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Fragen im Bewerbungsgespräch

  • Montag, 01 Februar 2016 15:48
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Im Bewerbungsgespräch möchte sich der Bewerber möglichst positiv darstellen und sich von seiner besten Seite zeigen.  Der Arbeitgeber  möchte möglichst viel wissen, um sich ein Bild über die Leistung und die Person des Bewerbers bilden zu können.1
Rechtlich wird unterschieden welche Angaben der Bewerber von sich aus offenbaren muss und welche Umstände er auf Nachfragen des Arbeitgebers mitzuteilen hat.2 Von sich aus muss der Arbeitnehmer nur solche Tatsachen preisgeben, deren Kenntnis für den Arbeitgeber besonders wichtig ist und er diese nach Treu und Glauben (§242 BGB) vom Bewerber zu erfahren hat.3 Dies ist so, wenn die Tatsachen dem Arbeitnehmer die Erfüllung des Vertrages unmöglich machen oder sonst für den Arbeitsplatz von besonderer Bedeutung sind.4
Der Arbeitgeber hat ein Fragerecht. Er muss ein berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse an den an der Information haben5, die privaten Belange des Bewerbers müssen aber berücksichtigt werden.  Wir haben nachstehend aufgeführt, welche Fragen erlaubt sind und welche unzulässig:



Erlaubt sind:
Alle Fragen, die in einer konkreten Beziehung zu dem angestrebten Arbeitsverhältnis stehen. Dies sind insbesondere der schulische und berufliche Werdegang (Prüfungsnoten) und die allgemeinen persönlichen Verhältnisse (Alter, Familienstand)

Unzulässig sind:
Alle Fragen, die auf den rein persönlichen Bereich des Bewerbers abzielen. Hier sind insbesondere Fragen über private Gewohnheiten, Bindungen oder Pläne zu nennen (bevorzugte Verhütungsmittel, geplante Heirat etc.)

Problemfragen:
Gewisse Fragen sind zwar in der Regel unzulässig, in einigen Fällen jedoch erlaubt. Dabei handelt es sich insbesondere um Fragen nach:

Gewerkschafts-, Religions-oder Parteizugehörigkeit:
Diese Fragen sind nur in entsprechenden Tendenzbetrieben zulässig (z.B. Frage nach der Religionszugehörigkeit in einem katholischen Kindergarten).

Vermögensverhältnisse Schulden:
Nur dann zulässig, wenn der Bewerber einen Beruf anstrebt, bei dem finanzielle Unabhängigkeit eine wichtige Voraussetzung ist (z.B. Richter, Bankier). Strittig ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Lohn- und Gehaltspfändungen.

Vorstrafen:
Fragen nach Vorstrafen sind nur erlaubt, wenn diese die Eignung für den angestrebten Beruf in Frage stellen (Unterschlagung bei Buchhaltern, Sittlichkeitsverbrechen bei Ausbildern).  Vorstrafen, die nach § 15 Bundeszentralregistergesetz nicht offenbart zu werden brauchen, dürfen in jedem Fall verheimlicht werden.

Bisherige Gehaltshöhe:
Nur dann erlaubt, wenn die bisherige Gehaltshöhe Grundlage der Verhandlungen zum Abschluss des Arbeitsverhältnisses war (z.B. Arbeitnehmer erhält 300,- EUR mehr als bisher)

Schwangerschaft:
Die Frage nach einer Schwangerschaft ist wegen der Geschlechtsdiskriminierung unzulässig (§ 611 a BGB). Lediglich in Fällen, in denen die Schwangerschaft die Ausübung des Berufes direkt beeinflusst (Mannequin, Model) ist diese Frage zulässig (vgl. dazu auch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes: EuGH, NJW 91,628).

Gesundheitszustand:
Die Frage nach dem Gesundheitszustand und nach Krankheiten des Bewerbers ist nur erlaubt, soweit die Arbeitsfähigkeit des Bewerbers stark betroffen ist. Frühere, ausgeheilte Erkrankungen und Kinderkrankheiten sind in der Regel für das Arbeitsverhältnis nicht relevant und Fragen danach somit unzulässig.


Quelle: Jung, Hans, Personalwirtschaft, 8. Auflage, München 2008, S. 164.
1 Junker, Abbo, Grundkurs Arbeitsrecht, 6. Aufl., München 2007,Rn. 149; BAGE 81,120, 123; Thüsing/Lambrich, BB 2002, 1146.
2 Junker, Abbo, Grundkurs Arbeitsrecht, 6. Aufl., München 2007, Rn. 149
3 Junker, Abbo, Grundkurs Arbeitsrecht, 6. Aufl., München 2007, Rn.150.
4 BAG vom 21.2.1991-2 AZR 449/90, AP Nr. 35 zu §123 BGB, NZA 1991, 719, FamRZ 1991, 1046; Junker, Abbo,  Grundkurs Arbeitsrecht, 6. Aufl., München 2007, Rn. 150.
5BAG vom 5.10.1995-2 AZR923/94, BAGE 81,120, 123; Thüsing/Lambrich, BB 2002, 1146.

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